Die Kombilösung Karlsruhe

Es beginnt das Baustellenzeitalter in Karlsruhe. Grund: Die Kombilösung wird gebaut, damit ein neues Straßenbahnzeitalter beginnen kann.

Im folgenden Artikel wird das Projekt vorgestellt und erklärt, was das Tramland von Karlsruhe so faszinierend macht.

„Kombilösung“ bezeichnet ein Projekt zur Entlastung der Straßenbahnlinien in Karlsruhe. Es gab einen großen Streit über das Ja oder Nein, aber per Volksentscheid wurde das Projekt akzeptiert und 2010 begannen dann endlich die Bauarbeiten. Dabei wird die total überlastete Fußgängerzone (Kaiserstraße) von den vielen Straßenbahnen befreit, indem sie unten durch den Tunnel fahren. Einige Linien werden auch über die neue Straßenbahntrasse auf der Kriegsstrasse umgeleitet, wenn die B10 unter der Kriegsstraße verläuft. (siehe Karte)

rot: Straßenbahntunnel, grün: Autotunnel, gepunktet: Fußgängerzone, gelb: Straßenbahn

Bis 2016 soll der Straßenbahntunnel fertig sein, bis 2019 wird vorraussichtlich das gesamte Projekt abgeschlossen sein. Es gibt viel Kritik zu diesem Projekt, auch der Volksentscheid mit 55% zu 45% ging relativ knapp aus. Weitere Infos: www.diekombiloesung.de

Die Kombilösung wird von der KASIG ausgeführt, der Karlsruher Schieneninfrastruktur GmbH. Sie setzt sich vor allem für wenige Beeinträchtigungen und angemessene Baumethoden ein. Die neuen unterirdischen Haltestellen werden komplett barrierefrei sein.

Die Hauptargumente gegen die Kombilösung sind die großen Beeinträchtigungen während der langen Bauzeit und die vielen gefällten Bäume. Doch auch die KASIG hält dagegen, denn es werden mehr neue Bäume gepflanzt, als gefällt werden und dass alle Geschäfte voll zugänglich sein werden. Außerdem kann es so mit mehr als einer Bahn pro Richtung und Minute nicht weitergehen. Dabei wird ein Problem klar: Der Tunnel kann aber nur eine Bahn pro Richtung und 2 Minuten bewältigen. Dadurch müssten die restlichen Bahnlinien über die Kriegsstraße umgeleitet werden. Doch die Kriegsstraße ist noch nicht fertig bis 2016. Also wohin mit den Bahnen? Zusammengefasst heißt das, dass in der Kaiserstraße trotz des Tunnels weniger Bahnen fahren werden als heute. Fällt eure eigene Meinung.

Aber jetzt zu dem besonderen vom Tramland von Karlsruhe.

Das wichtigste Fundament in diesem gut harmonierenden System bildet der Ex-Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, Dieter Ludwig. Er war ein Visionär und hat das riesige System geschaffen, das jetzt der Grund für den großen Passagierandran ist. Es nennt sich das Karlsruher Modell. Eine Zweisystemstraßenbahn wäre nie jemandem in den Sinn gekommen, außer Ludwig. Er realisierte, dass die Karlsruher Tram sowohl auf Innenstadtgleisen als auch auf Bahngleisen fahren kann. Außerdem passiert die Tram den Systemwechsel ohne dass es die Fahrgäste merken. So kommen viele Passagiere aus dem Umland direkt in die Innenstadt, was ein großer Vorteil ist. Mit diesem System wird auch die Straßenbahn von Heilbronn befahren, die nach der Durchfahrt von Heilbronn auf die Bahngleise fährt und weiter nach Karlsruhe fährt. Denn diese Straßenbahn wird auch vom KVV (Karlsruher Verkehrsverbund) betrieben. So fährt eine S-Bahn-Linie von Achern bei Offenburg durch die Innenstadt von Karlsruhe bis nach Öhringen bei Heilbronn (180 km).

Es gibt aber noch einen weiteren Grundsatz, den Ludwig verfolgte:

Die Bahn muss zum Fahrgast kommen, nicht der Fahrgast zur Bahn.

So baute Ludwig viele neue Haltestellen, an denen früher die DB vorbeigefahren ist. Ein neues Konzept, was viele zum Erstaunen bringt, viele andere zum Lachen, ist die Kurzhaltestelle. Im Prinzip ganz einfach: Wenn kein großes Passagieraufkommen herrscht, baut man kurze Haltestellen, bei denen man nur durch die ersten zwei Türen aussteigen kann. Das spart Geld. Die Fahrzeiten werden verkürzt durch die vielen Bedarfshalte, wo nur gehalten wird, wenn jemand aus- oder einsteigen will.

Zu diesem Thema gibt es eine Dokumentation aus dem Jahre 2003 in Youtube:

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=Eulo-cOsnZU

Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=25J2R_MBvpc

Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=IFu0HvCj5fw

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