Sommerstreik

20110805-035208.jpgDie Männer mit den dummen, bedruckten, weißen und zerschnittenen Mülltüten sieht man eigentlich eher im Frühling. Zumindest bei der Bahn. Da ist nämlich offizielle Streikzeit, um es den Reisenden so schwer wie möglich zu machen. Wann auch sonst? Im Sommer verhindern die Klimaanlagen die Reise, im Herbst Buschbrände und im Winter vereiste Weichen und sonstige Anlagen, die im Freien liegen.

Diese „Verzögerungen im Betriebsablauf“ nerven. Auch die GdF, die Gewerkschaft der Fluglotsen oder so ähnlich, sucht gerne Ausreden. Kurz bevor das Gericht in Frankfurt offiziell den Streik für rechtswidrig erklärte, sagten sie den Streik aus „Rücksicht auf die Passagiere“ ab. Wie lächerlich.

Der Donnerstag war also streikfrei. Aber heute, am Freitag, wurde ich selbst überrascht. Ich fahre mit dem KIT-Shuttle in die Stadt und wundere mich schon, was das für ein neuer Bus ist. Der Mercedes Citaro hatte orangene Zielanzeiger und andere Sitzpolster, keine Klimaanlage (oder sie war nicht an) und kein Fahrgastinformationssystem. Auf der Fahrt fand ich es dann doch heraus. Es war ein Subunternehmen der VBK, die diese Dienstleistung heute fuhr, weil die Verkehrsbetriebe Karlsruhe bestreikt wird. Wie immer von der ver.di. Wenigstens macht die VBK keine Hehl daraus und schreibt deutlich auf ihre Haltestellenanzeiger drauf, dass heute Streiktag ist, das finde ich gut.

Doch ihre Maßnahmen für einen Notfallfahrplan verstehe ich überhaupt nicht. Da alle ihre Mitarbeiter nicht verfügbar sind, greift sie auf ihre Subunternehmen, also private Busunternehmen zurück, die sonst nur einzelne Busfahrten ausführen. Wie gesagt, es sind Busunternehmen. Doch das Kernnetz von Karlsruhe wird mit der Straßenbahn bedient. Die Stadtbahn fuhr noch wie normal und konnte ein Grundangebot herstellen, doch die Linienäste der Straßenbahnen, die wurden offenbar vergessen. Die Situation ist also diese: In der Innenstadt fuhren noch Stadtbahnen und am Stadtrand die wichtigsten Buslinien durch die Subunternehmen – doch die Stadtteile, die von einem Gleisanschluss profitieren, die dürfen Auto fahren.

Ein einfacher SEV hätte das Problem gelöst, doch der Aufwand wäre wohl zu groß gewesen, deshalb bedient man lieber Käffer in den Höhenstadtteilen als wichtige Siedlungsgebiete wie Hagsfeld, Waldstadt, Rheinstetten oder Oberreut. Das ist einfach nur unverschämt! Und private Aufträge, wie z.B. der KIT-Shuttle, der hat Vorrang. Man verbraucht einen Bus und bedient lieber Sonderausflugsfahrten in solchen Notsituationen, als den ÖPNV in Karlsruhe – nur weil diese mehr Geld einbringen. Herzlich willkommen im Kapitalismus!

Ein Gedanke zu “Sommerstreik

  1. Meine güte stell dich wegen einem tag streik mal nicht so an. In anderen ländern wird der weder angekündigt noch für ersatz gesorgt. Und der grund warum die “käffer” angebunden sind liegt darin dass die hochbahnen (ausserS2) nicht vom vbk betrieben werden. Vll morgen besser rad fahren;)

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