Wettrüsten in München

Bild: griffs0000 @ flickr

Der Streit um die Vorherrschaft in Deutschland scheint zu eskalieren. Lufthansa ist unumstritten der deutsche Flagcarrier, doch viele Deutsche weichen auf Emirates aus – und Lufthansa findet das gar nicht gut. Und Emirates scheint alle Punkte zu erfüllen, die eigentlich Lufthansa übernehmen sollte. Ein neuer Streitfall zeigt wieder die Handlungsunfähigkeit Lufthansas.

In letzter Zeit muss Lufthansa-Vorstand Christoph Franz schon genug zu tun haben, doch seiner Airline geht es nicht gut. Zwar ist Lufthansa wirtschaftlich gut aufgestellt, doch ein Blick aus dem Fenster zeigt: Die Konkurrenz schläft nicht. Ein leidiges Problem, das auftritt, wenn man selbst den Fortschritt verschläft. Bei Lufthansa geht es derzeit nämlich nur um Statistiken und Gesetzesparagraphen, man vergisst die Passagiere. Lufthansa Cargo hat in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit der Medien bekommen, als Lufthansa den Betreiber des Frankfurter Flughafens (Fraport) angewiesen hat, die dritte Landebahn nicht in Betrieb zu nehmen, damit Lufthansa ihre 17 Nachtflüge durchführen kann.

Ein neuer Gesetzesbeschluss verbietet dem Frankfurter Flughafen nämlich jegliche Nachtflüge, falls eine weitere Landebahn in Betrieb genommen werden sollte, denn der zusätzliche Fluglärm am Tag soll durch ein Nachtflugverbot ausgeglichen werden. Klingt logisch, doch wirtschaftlich eine Katastrophe für LH Cargo, die nämlich nicht auf Nachflüge verzichten kann. Wenn man am Tag fliegt, verdient man weniger. Dass Lufthansa sogar eine ganze Landebahn außer Betrieb nehmen will (hunderte von täglichen Flügen könnten nicht fliegen) für läppische 17 Nachtflüge, zeigt wieder einmal, wie es Lufthansa nur um das Geld geht. Schlecht.

Aber Lufthansas Taktik scheint sowieso nicht aufzugehen, denn alle Airlines im Lufthansa-Konzern, auch LH Cargo und LH selbst, machen Verlust (außer swiss). Dies ist im Moment zwar weniger problematisch, doch es zeigt, wie sehr Lufthansa in die falsche Richtung geht.

Bild: AFP

Aber jetzt zum eigentlichen Thema: Emirates heißt der stärkste Konkurrent. Begonnen hat alles mit dem Preis. Emirates fliegt einfach billiger – und das lockt Kunden an und verärgert Lufthansa-Bosse. Doch als FIFA der Emirates den Zuschlag gegeben hat, offizieller Partner der WM 2006 zu sein, sind die Lufthansa-Bosse geplatzt. Emirates durfte werben, Partner der deutschen WM zu sein, eine PR-Katastrophe. Als ob das nicht genug ist, hat Emirates blöderweise das riesige Potential Deutschlands erkannt und kämpft seit Jahren vergeblich um zusätzliche Landerechte. Denn bisher darf Emirates nur vier deutsche Flughäfen anfliegen – Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf. Doch Emirates hätte gerne mehr: Stuttgart und Berlin sind Wunschziele und nur weil sich Lufthansa beschwert, darf es Emirates nicht. Dabei würde es nur Vorteile für die Passagiere bringen – auch die Flughäfen kämpfen um eine Anbindung an das riesige Drehkreuz im nahen Osten. Lufthansa bedient die Strecken nicht, ergreift keine Initiative, handelt nicht, sondern führt lediglich einen Papierkrieg zum Nachteil aller. Peinlich.

Ab dem 1. Januar 2012 will Emirates nun München mit der A380 anfliegen, wegen steigender Nachfrage. Total legitim, doch Lufthansa findet das gar nciht gut. Denn es ist bitter für sie, wenn eine ausländische Airline ihre zweite Basis zuerst mit der A380 bedient. Aber was kann Lufthansa tun? Das Gesetz erlaubt es und aus wirtschaftlichen Gründen müssen sie jetzt ja Papier sparen. Da ist ein Papierkrieg ungeeignet. Da kamen die Manager mit einer super Idee: Wir fliegen einfach ein paar Tage vor ihnen zu Weihnachten A380-Sonderflüge! Natürlich nur für kurze Zeit, denn wir können mit der A380 in Frankfurt ja viel mehr Geld sparen, weil da unser Wartungshangar ist. Die Leerflüge zwischen Frankfurt und München wären uns zu teuer. Doch Emirates lässt sich das nicht bieten und startet jetzt schon ab dem 25. November mit dem täglichen A380-Betrieb, ein Termin der wahrscheinlich früh genug ist, sodass Lufthansa und ihre Bürokratie keine Chance mehr hat, ein Flugzeug frei zu kriegen (und sowieso, zu der Zeit brauchen wir die A380-Kapazität gar nicht, wir würden zu viel Verlust machen – toll, ihr Geizhälse). Außerdem kämpft ja die Lufthansa lieber um ihre 17 Nacht-Frachtflüge anstatt ihr Ansehen als Flagcarrier.

Emirates gewinnt und Lufthansa verliert zu Recht, denn Emirates ist einfach besser und nicht so stark auf maximale Gewinne fixiert.

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