Homeless-Hotspots

Homeless Hotspots – der mobile Starbucks?

Bild: Buzzfeed

Obdachlose laufen mit einem WLAN-Router herum. Die Philosophie hinter den „Homeless Hotspots“ ist schnell erklärt, doch so schnell ist die Angelegenheit nicht vom Tisch. Es geht mal wieder um die Moral: Die Obdachlosen würden als Träger des Internetzugangs ausgenutzt und nicht ausreichend bezahlt, so die Kritik.

South by Southwest (kurz SXSW) hat eben auch seine kuriose Seite. Das Musikfestival in Texas, gepaart mit der Messe SXSW Interactive, diente als Übermittler dieser neuen Aktion. Noch schlimmer: Homeless Hotspots ist ein von einer Werbeagentur gestartetes Projekt, prinzipiell geht es also gar nicht um die Obdachlosen.

Für das Video auf das Bild klicken.

Doch eins hat diese Aktion erreicht: Obdachlose wurden wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerufen, insbesondere bei Computerfreaks, denn diese besuchten SXSW Interactive. Die Zielgruppe waren also die Menschen, die keine Geldprobleme haben und diese besuchen SXSW. Ein Volltreffer. Jeder berichtete über die Homeless Hotspots, jeder kennt sie nun und jeder wurde nochmals an die Obdachlosen erinnert. Einige Artikel kann man auf WiredThe VergeCNN lesen, wobei ich den auf The Verge empfehle. Sogar die Daily Show gab den Obdachlosen drei Minuten Zeit.

Zwei Probleme entstehen: Auf den T-Shirts der Obdachlosen steht „I’m Clarence, a 4G hotspot.“ Dadurch werden die Obdachlosen als Objekte dargestellt. Ein menschlicherer Satz wäre gewesen: „I’m Clarence, a person with a 4G hotspot.“ So, wie es jetzt ist, sind die Obdachlosen nur Träger des Internet-Routers. So werden sie auch bezahlt: 20$ pro Tag. Zusätzlich muss man als Nutzer des Internetzugangs spenden. Zwar ist der Betrag nicht fest gesetzt, doch empfohlen werden 2$ pro 15 Minuten. Doch nur die 20$ sind sicher, vor allem, weil ich am Nutzen dieses Internetzugangs zweifle.

Um ins Internet zu kommen, muss man zuerst eine SMS and die Nummer schicken, die auf dem T-Shirt steht, dann muss man ein PayPal-Konto haben oder eine komplizierte Überweisung tätigen. Wenn man dann einmal im Internet ist, muss man stehen bleiben, denn die Obdachlosen laufen ja nicht mit. Dadurch tragen diese Hotspots nicht zum Arbeiten „On The Go“ bei und als Ersatz eines Kabelanschlusses taugen sie auch nichts, denn man kann sich nie sicher sein, ob der Obdachlose vor der Haustür steht, oder nicht. Die Hotspots sind also doch nicht so ganz mobil, wie sie scheinen und haben dadurch lediglich einen Starbucks-Charakter. Mit dem Unterschied, dass ein Starbucks-WLAN immer verfügbar ist und der Hotspot eben nicht.

Die Hotspots sind eine Plattform für gesellschaftlichen Austausch und kein nützlicher Internetzugang.

Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht, doch mit den T-Shirts hat sich die Werbeagentur einen Patzer geleistet, den man vermeiden sollte. Doch nur dadurch konnte sich die Daily Show darüber lustig machen, nur dadurch bekam diese Aktion Aufmerksamkeit und damit auch die Obdachlosen. Sie nehmen am Projekt teil, um mit mehr Menschen in Kontakt zu kommen. Sie wollen reden, sich unterhalten und die Hotspots als eine Plattform für gesellschaftlichen Austausch nutzen. Dann kann es auch egal sein, dass die Hotspots ihren eigentlichen Zweck verfehlen: Einen nützlichen Internetzugang schaffen. Obdachlose sind eben kein Starbucks.

VIA: THE VERGE; QUELLE: Homeless Hotspots

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