Spot On: Bitchfight

Spot On ist eine neue Antihans-Kategorie, die den Fokus genau richtig setzt.

Seit der Einführung des ersten iPhones 2007 begann ein Prozess der Verfeindung zwischen Apple und Google, der mit dem Erfolg von Android und Apple-Diensten wie iCloud nur katalysiert wurde. Dieser regelrechte Machtkampf erreichte mit der Vorstellung von iOS 6 einen neuen Höhepunkt: Apple schmeißt Google Maps vom iPhone und stellt dagegen sein eigenes Kartenmaterial zur Verfügung.

Jobs sagte einst: Google ist das Internet.

Apple versucht regelrecht, seine Produkte Google-frei zu machen, zu “reinigen”. Wie kommt es, dass Steve Jobs vor fünf Jahren noch gesagt hat, dass man “nicht über das Internet reden kann, ohne über Google zu reden.” Zu der Zeit saß Googles CEO Dr. Eric Schmidt noch im Aufsichtsrat Apples, es herrschte eine gute Stimmung: “Wenn wir einfach die beiden Firmen fusionieren würden, könnten wir sie AppleGoo nennen.”

Fünf Jahre später stehen wir vor dem „Prozess des Jahrhunderts“: Apple vs. Samsung. Dieser Prozess wird weitreichende Auswirkungen auf das heutige Recht haben, denn es geht um die Frage, inwiefern Apple ein “schwarzes Rechteck” patentieren kann, um dann gegen jegliche modernen Smartphones vorzugehen.

Wie sich Apple von einem freundlichen, coolen Neuling in der Telefonindustrie zu einem der größten Patent-Trolle entwickelte, dokumentierte vor kurzem das Wall Street Journal. Im Zentrum steht die tiefgreifende Rivalität zwischen Apples iOS und Googles Android, zu der Steve Jobs sagte:

Wenn es sein muss, werde ich das bis an mein Lebensende und mit jedem Penny der 40 Milliarden Dollar von Apple richtigstellen. Ich werde Android zerstören, denn es ist ein geklautes Produkt. Ich bin bereit, dafür einen thermonuklearen Krieg anzufangen. Abgesehen von der Suchmaschine sind Google-Produkte – Android, Google Docs – einfach Schrott.

Jetzt hat Apple über 100 Milliarden Dollar auf der Bank und eine Einigung über Tap-to-Zoom und den Bounce-Effekt ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Google-Produkte werden immer erfolgreicher. Android wurde mit Ice Cream Sandwich erwachsen, Google Docs ist ein Liebling unter Autoren und Journalisten, YouTube ist die erfolgreichste Video-Plattform der Welt und Googles Kartendienste sind die unbestrittene Nummer 1 in der Welt.

Apple möchte ein Stück von diesem Kuchen. 2010 verkündete Jobs stolz, dass “nicht Apple ins Suchmaschinen-Business eingestiegen sei, sondern Google in das Telefongeschäft.” 2012 ist das Jahr, in dem Apple in Googles Business einsteigt. Apple kämpft auf allen Fronten.

1. Google Maps

Auf iOS stellt Google die Karten in der standardmäßigen Karten-App zur Verfügung. Das endet mit der Einführung von iOS 6 diesen Herbst. Apples eigene Karten-App basiert auf mehreren Akquisitionen der letzten Jahre, deren Kartografen und 3D-Modellierer jetzt auf dem Apple-Campus arbeiten. Dieser radikale Schritt war jedoch nicht das erste Anzeichen, dass Google Maps auf Apple-Geräten ein Ende finden wird. Schon im März verzichtete Apple in der neuen iPhoto-App auf Google-Karten und bezog die Daten stattdessen von Open Street Maps. Außerdem verweigerte Apple jahrelang, neue Maps-Produkte wie Google Street View oder Google Navigation in die Karten-App einzubauen – Funktionen, die jetzt als Revolution vermarktet werden können.

2. YouTube

In iOS 6 wird auch die zweite und letzte, vorinstallierte Google-App entfernt: YouTube. Diese Apps sind ein Relikt aus der Zeit des ersten iPhones, als vorinstallierte und von Apple programmierte Apps, die im Hintergrund auf Daten von Google und Yahoo zurückgreifen, noch üblich waren. Apples kurzes Statement sagt nicht viel über die Intentionen beider Seiten aus: „Unsere Lizenz, die YouTube-App in iOS einzuschließen, ist abgelaufen. Google arbeitet an einer neuen YouTube-App, die im App Store verfügbar sein wird.“
Aus Apples Perspektive ist das ein weiterer Schritt, Kunden von YouTube fernzuhalten und nebenbei selbst Kosten zu sparen. Denn bisher ist die YouTube-App von Apple programmiert worden und leidete unter der selben unwilligen Haltung, neue Funktionen besser zu integrieren.
Doch die Entfernung der YouTube-App ist eine Win-Win-Situation auch für Google. Google erhält Kontrolle über seine YouTube-App zurück und muss keinen Nutzerschwund befürchten, da YouTube immer noch das populärste Videoportal bleibt, bei Maps werden sich die meisten hingegen mit Apples Dienst zufrieden geben. Auch finanziell ist es ein Vorteil für Google, weil Google jetzt Werbung vor den Videos einspielen kann.
Es bleibt jedoch auch ein Anzeichen, dass Apple Google verbannen möchte.

3. Gmail auf iOS

Dieses Problem ist das Älteste von allen. Apples vorinstallierte Mail-App bietet Gmail, einem der führenden Webmail-Anbieter, kein Push-Service an. Eine ziemliche Frustration, vor allem, wenn man weiß, dass sowohl die App, als auch Gmail die nötigen Protokolle für einen Push-Service unterstützt. Um dennoch Push über Gmail in iOS anzulegen, muss man seinen Gmail-Account manuell über Microsoft Exchange einrichten, eine unnötige Qual.

4. Chrome für iOS

Kurz nachdem endlich Chrome für iOS veröffentlicht wurde, kam die Frustration: Apple untersagt es generell allen Browsern, ihre eigenen Javascript-Engines zu nutzen. Sie müssen stattdessen auf Safaris Engine zurückgreifen, sodass Chrome seine Vorteile nicht ausspielen kann. Chrome für iOS ist sozusagen Safari mit einem anderen Design.

Das Safari-Suchfeld zeigt jetzt „Search“ an

5. Safari-Suchfeld in iOS

Die pathetischste Änderung in iOS 6 ist das neue Suchfeld in Safari: Es zeigt nicht mehr, wie bisher, “Google” an, sondern nur noch “Suchen”. Der Teufel liegt eben im Detail.

Zum Abschluss möchte ich noch kurz darauf eingehen, wieso Android in vielen Aspekten gerade nicht iOS kopiert. Android ist eben nicht deswegen erfolgreich, weil es Apple kopiert, sondern seinen eigenen Weg geht. Während Apple versucht, die Nutzer einzukesseln, lässt Android den Nutzern Freiheit. Ich rede nicht vom Hacken, sondern von Vorteilen, die jedem das Leben einfacher machen.

Ich rede von der Senden-Funktion (oder auch “freigeben”). Daran sieht man die zwei unterschiedlichen Mentalitäten der beiden Firmen. Apple beschränkt diese Funktion nur ausgewählten Diensten. So kann man zum Beispiel aus iPhoto Fotos direkt “an Flickr senden”, oder einen Link auf Facebook teilen. Das funktioniert allerdings nur mit Diensten, die Apple speziell ausgesucht hat. Somit gehen viele gute Drittanbieter-Dienste wie Pocket leer aus. Um einen Artikel in iOS in Pocket zu speichern, muss ich entweder den Link kopieren und dann in der Pocket-App ablegen, oder ein Bookmarklet nutzen. Ich meine, wer hat denn bitte jemals schon von Bookmarklets gehört?

Android hingegen lässt diese Funktion offen für jeden. Jede App kann sich in die Freigabe-Funktion einbinden und eröffnet damit ganz neue Möglichkeiten. Genauso wie Microsoft mit seinen Wettrennen gerne die Geschwindigkeit und Integriertheit von Windows Phone zeigt, würde Android gegen iOS beim Senden von Links an Pocket, Dateien an Dropbox und Fotos an WhatsApp gewinnen.

Der Teufel liegt eben im Detail.

Und statt Google-Dienste besser in sein Betriebssystem zu integrieren, verbannt Apple sie so gut wie möglich. Statt das Hochladen eines Videos auf YouTube zu ermöglichen, schmeißt Apple die YouTube-App raus.

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5 Gedanken zu “Spot On: Bitchfight

  1. Du bist ja ein Komiker. „…denn es geht um die Frage, inwiefern Apple ein “schwarzes Rechteck” patentieren kann, um dann gegen jegliche modernen Smartphones…“. Ist nicht der Witz, dass Apple als erste Firma diese „dumme“ Idee hatte ein schwarzes Rechteck zu benutzen? Wenn Samsung so eine innovative Firma im Bereich der Smartphones ist, wieso haben die dann bis vor dem iPhone nur andere Formen, die weniger spannend sind benutzt?

    Google Docs ein „Liebling unter Journalisten und Autoren“? What. The. Fuck?

    „Die pathetischste Änderung in iOS 6 ist das neue Suchfeld in Safari: Es zeigt nicht mehr, wie bisher, “Google” an, sondern nur noch “Suchen”…“. Und wenn ich als Standardsuchmaschine Bing oder Yahoo einstelle (ja das geht!) soll dann auf diesem Button stehen „Mit Yahoo suchen“, weil da so viel Platz ist? Das Detail ist in diesem Fall die Möglichkeit, die Suchmaschine zu ändern und zu Bing und Yahoo gibt es nunmal kein kurzes Verb. (wenn man keine Ahnung hat… naja.)

    Auch dein Abschluss beinhaltet völlig unpolitische mentalitätsfreie Designfragen. Es gibt viele Menschen, die auf ihrem iPhone 100e Apps installieren. Soll nur deswegen der Sharing-Dialog 45 Einträge enthalten, damit sich alle fair behandelt fühlen? Oder soll ich extra in die Einstellungen gehen und rumfrickeln? Es geht hier nicht um Repression, sondern Einfachheit und Benutzergefühl. Das hier: http://absinthejailbreak.com/wp-content/uploads/2012/06/iOS-6-sharing-menu.jpg sieht einfach besser aus und fühlt sich besser an, als eine (scrollbare) Liste.
    Es sind eher Designgrundlagen: Apple baut ein bequemes, sich-„richtig“-anfühlendes OS, während man bei Android erstmal 10 Minuten braucht, die Liste der Apps zu finden (die DANN aber wiederum genauso aussieht, wie der Homescreen von iOS, nur dass man nach unten scrollt – also das Look and Feel von iOS wird hergenommen und kompliziert gemacht…).

  2. Nachtrag:

    huch da ist ja Google+ auf dem Sharing-Screen => „Und statt Google-Dienste besser in sein Betriebssystem zu integrieren, verbannt Apple sie so gut wie möglich“.

    „Statt das Hochladen eines Videos auf YouTube zu ermöglichen, schmeißt Apple die YouTube-App raus.“ Das hat Lizenzgründe. Apple darf die App nicht mehr auf das iPhone bringen. Die Frage ist jetzt, wer den Vertrag nicht verlängern wollte. iOS gewinnt – ein wenig – an Benutzerfreundlichkeit durch die App. Das ist ein kleiner Grund, weshalb Apple den Vertrag verlängern sollte. Ein Kaufgrund für das iPhone war die App aber höchstens beim ersten und zweiten (3G) iPhone. Google dagegen entgehen haufenweise Daten, die man in der App erheben könnte über Suchverhalten, angeschaute Videos etc pp. Bringt Google eine eigene App heraus verdienen Sie also Geld damit.
    Die Conclusio: Apple hat keinen Grund, Lizenzgebühren zu bezahlen, bzw. die App überhaupt auf dem Gerät zu behalten. Google hat keinen Grund zu zahlen (man kennt ja die Konditionen nicht – eine vorinstallierte Vimeo App hätte vielleicht etwas anderes bewirkt), damit die App auf den iPhones bleibt, da sie selbst Geld verdienen können damit. Im Ganzen also eher harmlos die Sache…

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