★ Meine nervenaufreibende Reise ins Zyan-Land

Vor zwei Monaten bin ich noch herumgerannt und habe gesagt: “Ich werde nicht auf Ice Cream Sandwich updaten. Gingerbread hat alles, was ich brauche.” Es ging um mein Samsung Galaxy Tab. Zu diesem Zeitpunkt war ich der einzige Gingerbread-Verfechter unter einer Gruppe von zwei Weiteren: Der eine überglücklich über sein Jelly-Bean-Update auf seinem Galaxy Nexus, der andere hoffnungsvoll auf ein Ice-Cream-Sandwich-Update, das ihm LG versprochen hatte.

Für mich war Gingerbread Endstation. Das wusste ich seit dem 23. Dezember 2011 und ich war nicht einmal enttäuscht darüber. Das lag wahrscheinlich daran, dass bei mir zu diesem Zeitpunkt noch Android 2.2 Froyo lief. Zu Zeiten des tablet-optimierten Android 3.0 Honeycomb und Ice Cream Sandwich, musste ich mir das Gingerbread-Update auf mein Handy flashen. Samsung wollte mir kein offizielles Update bereitstellen, nur weil das Tab aus Hong Kong kommt.

Doch schon bald entschied ich mich, an einem Nachmittag Gingerbread auf Kosten einer Neuinstallation aller Apps und dem Verlust meines Angry-Birds-Spielstands auf mein Tab zu spielen. Ich bereue es bis heute nicht, denn es brachte eine deutliche Performance-Verbesserung.

Doch von einem Ice-Cream-Sandwich-Update ließ ich bis dato die Finger, weil ich erstens zufrieden mit Gingerbread war und es zweitens kein offizielles Update war. Ich müsste meine Finger also in das Land der xda-developers stecken, um diese komplizierte Prozedur durchzuführen, dachte ich.

Als ich erfuhr, dass das ICS-Update für das LG Optimus Speed gekippt worden war, sah ich die Welt, in der ich war, vor meinen Augen: Eine Welt, in der es nie ein Update gibt, in der TouchWiz existiert und in der ich auf Chrome für Android verzichten muss.

Frustriert machte ich mich auf die Suche nach einem Schleudersitz, einem Weg in die Zukunft.

Das Update klingt total einfach: Tablet mit einem Ein-Klick-Programm rooten, mit Titanium Backup ein Backup erstellen, die zwei Zips draufspielen und im Recovery-Modus installieren. Einfacher als ich dachte. Wow.

Damit begann ein steiniger Weg zum Traum Android 4.1 Jelly Bean, der mich einen Nachmittag gekostet hat. Das, was folgt, ist keine detaillierte Anleitung zum Update, sondern nur ein kurzer Erlebnisbericht.

Begonnen habe ich mit SuperOneClick, dem Programm zum Rooten des Tabs. Zuerst sendete mir Avira zwei Viruswarnungen, die mich beunruhigten und dann sagte das Programm während dem Prozess auch noch so etwas wie “Samsung zerstört”, nur um kurz darauf hinzuzufügen “(good thing)”. Ich dachte schon, meine Reise ins Zyan-Land würde hier enden.

ClockworkMod Recovery

Doch mein größtes Problem kam noch: Die Beschaffung von Clockwork Mod Recovery (CWM), das Programm, womit das Tab kontrolliert werden kann, ohne Android zu booten, so ähnlich wie eine Benutzeroberfläche für das BIOS. Normalerweise installiert man das beim Rooten gleich mit, aber SuperOneClick erledigt das leider nicht für mich. Also flashte ich eine Datei, von der ich erhoffte, dass sie mir CWM bringen würde.

Stattdessen beförderte sie mich in einen Bootloop, ein Zustand, wo das Gerät während dem Booten einen Fehler findet und somit nicht mehr starten kann. Panik brach aus, auch wenn überall steht, dass man sich beruhigen solle. Es sei ein leicht zu behebendes Problem. Ich musste eine offizielle Gingerbread-ROM von Samsung herunterladen (Filesharer: Schafft die Geschwindigkeitsbegrenzung ab!) und auf mein Handy laden. So, wie ich es früher von Froyo auf Gingerbread gemacht hatte.

Dabei fiel mir eins auf: Früher, als ich von Froyo auf Gingerbread upgedatet habe, bekam man nämlich in einer Zip-Datei mehrere unterschiedliche Dateien, die ich dann in das Programm Odin einbinden musste. Daran orientierte sich auch meine Anleitung. Doch zu meiner Überraschung fand ich dann nur eine .tar.md5-Datei im Zip-Paket. Verzweiflung. Eine neue Methode, mit der ich mich nicht auskenne. Doch schließlich fand ich die Lösung: Einfach die Datei unter “PDA” einbinden und los gehts.

Jetzt war ich wieder am Anfang: Ich hatte Gingerbread. Na toll. Ich habe mich durch elend lange xda-Threads gequält, bis ich endlich eine kleine aber feine Datei namens “CF-Root-TAB7_XX_OXA_JQ1-v3.3-CWM3RFS.tar” fand, die nur Clockwork Mod Recovery beinhaltete, ohne den Bootprozess von Android zu stören. Sonst hätte ich nämlich eine ganz neue, modifizierte Gingerbread-Version installieren müssen, ohne einen Schritt näher zu Jelly Bean zu kommen.

Update: Im Nachhinein ist man immer schlauer. CWM bekommt man auch durch die kostenlose App „ROM Manager“ im Google Play Store.

Ab da ging es vergleichsweise einfach: Cyanogen-Mod-Dateien und Google-Apps aufs Handy via USB spielen, ins CWM booten, Android formatieren (interessanterweise blieben meine Dateien erhalten, nicht aber die Apps) und CyanogenMod und Google Apps installieren.

Boom! Jetzt befand ich mich wieder in einem Bootloop. Und zwar richtig. Während der Cyanogen-Installation scheint ein Fehler aufgetreten zu sein, das Galaxy Tab würde nämlich abstürzen, gleich neustarten und die Installation fortsetzen. Dann stürzt es wieder ab und ich erblicke das Gesicht des Cyanogen-Maskottchen zum hundertsten Mal. Zuerst dachte ich, das wäre normal. Ich habe mich also mit meiner Gitarre hingesetzt und auf die Fertigstellung der Installation gewartet. Ich meine, Windows muss auch bei der Installation mehrmals neustarten, wieso also nicht auch Android?

Jelly Bean. Archievement unlocked.

Nach 20 Minuten fand ich heraus, dass das nicht normal ist. Ich versuchte es mit einem weiteren Versuch – und es funktionierte. Ohne einen einzigen Reboot. Ich hatte endlich eine Pre-Alpha-Version von Jelly Bean. Endlich geschafft.

Mit der Zeit entdeckte ich aber die Konsequenzen, die eine Pre-Alpha-Version mit sich bringen: Es funktioniert nicht alles. Beispielsweise funktionierte die YouTube-App nicht und der Browser würde mein Tab zum Absturz bringen. Ich wurde davor gewarnt, muss ich dazu sagen. Selber Schuld. Am nächsten Morgen entschloss ich mich, auf die unausgereifte Pre-Alpha zu verzichten und auf die stabile Ice-Cream-Sandwich-Version umzusteigen, ohne das “butterweiche” Project Butter, das Markenzeichen Jelly Beans.

Ice Cream Sandwich. Oh Yeah!

Für alles, was danach kam, muss ich das Cyanogen- und xda-Team loben: Es war schmerzlos. Einfach wieder eine Zip-Datei draufspielen und im Recovery-Modus installieren. Schnell und einfach, ohne .tar.md5-Dateien, die mich verwirren.

Ich liebe es.

Ich bin jetzt stolzer Besitzer eines zwei Jahre alten Tablets mit Android 4.0.4 Ice Cream Sandwich. Bereue ich das Update? Nein, sogar noch weniger als damals, beim Sprung von Froyo auf Gingerbread. Obwohl ich meine Fortschritte bei Logo Quiz verloren habe ;). Ich liebe das Holo-Design, ich liebe Roboto, ich liebe eine TouchWiz-freie Oberfläche, ich liebe mein Chrome für Android. Auch wenn ich mich doch nicht zu den 1% zählen kann, bin ich jetzt wenigstens einer der 16% mit Ice Cream Sandwich.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Tipps geben, die ich durch dieses Abenteuer gelernt habe::

  • Achtet auf das Datum. Wie gesagt, eine veraltete Anleitung bringt nichts, wenn das Update-Verfahren grundlegend geändert wurde. Damit hätte ich meine .tar.md5-Verwirrung vermeiden können. Es war, als ob ich ratlos mit einer blu-ray vor meinem alten Videokassetten-Rekorder sitzen würde.
  • Vermeidet xda-developers, wenn ihr Hilfe braucht. Nicht, dass ihr das falsch versteht: Die xda-Leute machen einen fantastischen Job. xda und cyanogenmod sind die Anlaufstellen für die neuen Software-Dateien, aber das xda-Forum leidet unter der großen Anzahl an Nutzern. Wer schon einmal versucht hat, sich durch die über 50 Seiten einer Forendiskussion auf xda zu kämpfen, um zum Beispiel die Lösung für das Clockwork-Mod-Problem zu finden, wird mir zustimmen: Es ist fast unmöglich, weil in einem Thread jeder auf jemand anderes antwortet. Es ist Chaos. Auch neue Diskussionsdienste wie Branch, das eine Diskussion über ein Thema aus dem Main-Thread auf einen Zweig (branch) verlagert, würden bei dieser massiven Größe von xda nicht funktionieren. Man kann es nicht ändern.

4 Gedanken zu “★ Meine nervenaufreibende Reise ins Zyan-Land

  1. Gute Beitrag! Hab ein HP-Touchpad, auch mit cm9/ICS, für mich war es damals aber kein sprung von einer Android-Version zur nächsten, ich kam von WebOS, HP’s egenem, geflopppten, Betriebssystem! Aber sobald mal eine Version geflashed is, is das updaten ein kinderspiel ;)

  2. vielen Dank für das Post!
    Hatte exakt das gleich Problem, obwohl ich schon ewig recherchierte.
    am verlässlichsten bekommt man wohl ein altes ROM (das war mein größtes Prob.) bei sammobile.
    habe gerade ein altes stock-ROM geflashed. boote gerade… *daumendrück*

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