★ Der Kunde ist König

Amazon und Apple sind zwei total verschiedene Firmen. Apple ist die Firma, die begeistert; Amazon ist “nur” ein Versandhaus. Nach den letzten zwei Wochen, in denen Nokia, Microsoft, Motorola, Verizon, Amazon und Apple alle ihre Produktpräsentationen abhielten, war ich allerdings am meisten von Amazon begeistert. Ich meine, wirklich begeistert. Heute ist bei Amazon der Kunde König, nicht mehr bei Apple.

Steve Jobs’ Geschäftsmodell lässt sich einfach zusammenfassen: Verkaufe spektakuläre Produkte, die die Kunden glücklich machen und mache dabei so viel Geld, wie möglich.

Eine Win-Win-Situation: Die Kunden sind glücklich, Apple auch.

Amazons CEO Jeff Bezos verfolgt eine andere Strategie: Verdiene Geld, wenn Kunden Kindles benutzen, nicht wenn sie sie kaufen. Das ist ein klarer Gegensatz zu Apple, weil Amazon kein Geld verdient, wenn die Produkte gekauft werden, Apple aber schon.

Es läuft aber auf dieselbe Win-Win-Situation hinaus: Die Kunden benutzen Amazons Produkte nur, wenn sie gut sind und die Kunden glücklich machen. Erst, wenn die Kunden glücklich sind, verdient Amazon durch den Verkauf von Inhalten Geld. Dadurch versucht Amazon automatisch, Kunden glücklich zu machen, genauso wie Apple es versucht(e).

Ein Paradigmenwechsel findet statt, seitdem Tim Cook das Ruder bei Apple übernommen hat. Während Steve Jobs bekannt dafür ist, schlechte oder veraltete Produkte radikal einzustellen und stattdessen mit neuen, beeindruckenden Produkten die Verkaufszahlen anzukurbeln, tendiert Apple immer mehr dazu, das letzte bisschen Geld aus den heutigen Produkten zu quetschen.

Bei der letzten Apple-Keynote sprangen mir drei Punkte ins Auge:

  • iPhone 5: Jeder hatte auf ein neues, “revolutionäres” Design gehofft, doch Apple hat stattdessen auf ein iteratives Update des zwei Jahre alten Designs gesetzt. Es ist zwar nicht schlecht, doch “langweilig” als erste Reaktion ist ein ziemlich gutes Zeichen, dass es Zeit für etwas Neues ist. Das ist nicht den vorherigen Leaks zu verschulden, da Apple uns ja auch noch nach dem berühmten Gizmodo-Skandal mit dem iPhone 4 beeindrucken konnte.
  • iPod touch: Der umstrittene Schritt, den neuen iPod touch mit einer Mindestspeicherkapazität von 32 GB zum Einstiegspreis von €319 zu verkaufen und keine 16 GB Version für €200 anzubieten, ist eindeutig eine Maßnahme, um mehr Geld zu verdienen. Der Kunde profitiert davon in keiner Weise.
  • iPod nano: Der iPod nano ist das Produkt, das am öftesten verändert wurde und es ist klar, dass Apple nicht mehr weiß, was es mit dem iPod nano anstellen soll. Apple hat den iPod nano immer kleiner, dünner und leichter gemacht, doch das ist nicht zielführend. Es reicht, wenn er in die Hosentasche passt. Je kleiner er wird, desto schwieriger wird die Bedienung. Stattdessen fehlt es dem iPod nano an Funktionalität. Wie Nilay Patel schreibt, gibt es keinen Markt für einen MP3-Player für €150, der keine Spiele oder Apps abspielen kann. Nur als Uhr hatte der letzte iPod nano noch die Chance, einen neuen Markt zu erschließen. Der iPod nano als MP3-Player ist ein Auslaufprodukt, das Apple künstlich am Leben erhält, um noch etwas daran zu verdienen.

Diese neuen Produkte haben mich überzeugt, dass es Tim Cook als gelernter Manager mehr ums Geld geht, als um revolutionäre Produkte. Doch wer ist dann der Erbe von Steve Jobs? Wem geht es sonst noch um die Produkte und die Kunden?

Eine logische Folgerung ist Amazon. Amazon zeichnet sich durch die extrem mageren Profite aus. Jeff Bezos geht es nicht um Profite, er baut mit Amazon eine anerkannte Marke mit gutem Image. Dies wird deutlich durch die Finanzen der Firma: Während Apple im letzten Quartal 35 Milliarden US-Dollar Umsatz und davon 8,8 Milliarden Dollar reiner Gewinn waren, verdiente Amazon an seinen 12,8 Milliarden Dollar Umsatz magere 7 Millionen Dollar nach Steuern und Gebühren. Für das nächste Quartal hat Amazon sogar einen Verlust vorhergesagt, doch keiner ist in Panik ausgebrochen. Wieso? Weil die Investoren Bezos’ Vision vertrauen.

Zum Preis von zweieinhalb Apple-Adaptern bekomme ich ein Kindle.

Dieser Plan scheint aufzugehen: Jeff Bezos konnte mich letzten Donnerstag beeindrucken, mit allen Produkten. Kindle E-Reader für $69? Wow. Audiobook-mit-E-Book-Synchronisation? Wow. Paperwhite-Display? Wow. Kindle Fire für $159? Wow. Zwei Kindle Fire HDs mit Retina-Qualität? Für $199? Oh wow. Amazon Prime? Mann, will ich es haben.

Ich finde, Jeff Bezos ist ein würdiger Nachfolger von Steve Jobs. Ihr könnt Euch selbst davon überzeugen:

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