★ Metro ist unbenutzbar

Splash Screen Overkill
Splash Screen Overkill

Metro ist unbenutzbar. Nicht nur auf Laptops, sondern erst recht auf Desktops und Tablets. Dies klingt zwar wie eine provokative Aussage, doch ist es die Wahrheit. Und wer mich kennt, weiß, dass ich auch kein Linux- oder OS-X-Fanatiker bin.

Windows 8 selbst ist ein solides Betriebssystem, das Windows 7 im Desktop zu weiten Teilen verbessert. So wurde beispielsweise der Task Manager intuitiver gestaltet und auch der neue Nicht-Aero-Look gefällt mir sehr. Das System selbst läuft auch ohne Service Pack schon sehr stabil und glänzt, wenn es um Bootzeiten geht: Auch ohne SSD und lediglich 1GB RAM zeigt mein fünf Jahre alter Computer bereits nach ungefähr 30 Sekunden den Anmeldebildschirm an. Auch das Aufwachen aus dem Standby benötigt nur noch ca. 5 Sekunden, während auf Windows XP noch 15-20 Sekunden nötig waren.

Mit Chrome OS bin ich produktiver als mit Metro

Doch Metro ist ein großer Reinfall. Es sieht zwar hübsch aus, missachtet jedoch in weiten Teilen das, was einen Computer ausmacht: Produktivität. Ja, ich sage es: Mit Chrome OS bin ich produktiver als mit Metro. In Metro sinkt meine Produktivität auf Null.

Die praktische Suchfunktion
Die praktische Suchfunktion

Nicht weil Windows 8 schlecht für Maus und Tastatur optimiert ist, nein im Gegenteil: Die vielen Tastenkombinationen machen Windows 8 mit Maus und Tastatur sogar praktischer als mit einem Touchscreen. Ein Beispiel: Um die nützliche, neue Suche nach Einstellungen nutzen zu können, drücke ich einfach auf der Tastatur Windows + W und ich bin fertig. Auf einem Touchscreen müsste ich zuerst vom rechten Rand hereinwischen, dann im Charms-Menü “Suche” auswählen (nein, nicht auf “Einstellungen” klicken) und dann nochmals “Einstellungen” auswählen. Insofern finde ich Windows 8 auf einem traditionellen Laptop sogar komfortabler als auf einem Tablet. Eine Kombination von Tastatur und Touch würde natürlich alles schlagen, aber dafür bräuchte man einen neuen Laptop/Hybriden. Eine Liste aller Tipps und Tricks rund um Windows 8 findet man hier.

Minesweeper braucht eine Minute zum Laden

Meine Produktivität sinkt, weil die neuen Metro-Apps ewig zum Laden brauchen – und das tun sie bevorzugt im Vollbild-Modus. In Windows 8 lädt PowerPoint im Desktop schneller als Minesweeper in Metro, obwohl PowerPoint sicherlich ein größeres Programm ist. Was diese Situation noch schlimmer macht, ist dass ich bei Minesweeper mit drei unterschiedlichen Ladebildschirmen hintereinander konfrontiert werde – im Vollbild. Wie bei einem Computerspiel, nur dass bei Minesweeper die Esc-Taste nicht funktioniert. Bei PowerPoint kommt auch ein Ladebildschirm (das kleine Rechteck, das auch von Adobes Programmen bekannt ist), aber ich kann währenddessen problemlos andere Sachen erledigen, wie zum Beispiel Mails checken. Jetzt checke ich Mails auf meinem Galaxy Tab während Minesweeper lädt. Es ist bitter, wenn Jelly Bean schneller ist als Windows 8.

Während dem Laden ist der PC so gut wie unbenutzbar
Während dem Laden ist der PC so gut wie unbenutzbar

In Metro kann ich während dem Laden lediglich eine zweite App an die schmalen 300 Pixel am Rand heften, was meinem Computer oft überfordert. Zwei Apps! Im Desktop hingegen kann ich problemlos Skype, Firefox und Spotify geöffnet haben.
Um sicherzugehen, dass diese Probleme nicht nur bei meinem Computer auftreten, habe ich die Tests auf einem Windows-8-Tablet mit SSD, einem Windows-8-PC mit 4GB RAM und einem brandneuen Sony-Laptop im Laden wiederholt und die gleichen Ergebnisse erzielt: Minesweeper braucht eine Minute zum Laden. Im Vollbild. Am schlimmsten hat es die Bing Maps App getroffen: Ein Mal habe ich geschlagene 2:10 Minuten gewartet, bis ich die ersten Karten gesehen habe.

Im Vergleich zum ersten iPad mit iOS 5 ist Windows 8 überhaupt keine Konkurrenz. Während auf iOS die Einstellungen in weniger als zwei Sekunden laden, warte ich bei Windows 8 eine halbe Minute. Auf die Einstellungen! Ähnlich verhält es sich so bei Mail, Musik und vielen Standard-Apps.

Ein letztes Beispiel: Wer Skype auf iOS oder Android schon einmal benutzt hat, weiß wie langsam Skype im Vergleich zu anderen Apps ist. Ich habe einmal nachgemessen: Das sind 30 Sekunden auf iOS. In Metro braucht jede App so lange; Skype braucht eine geschlagene Minute. Viel Spaß beim Warten.

Wetter und Twitter. Das war's?
Wetter und Twitter. Das war’s?

Microsoft hat einen leistungsstarken Computer zu einem Tablet degradiert

Ein weiteres Problem ist das Multitasking. Auf Windows 7 war meine Lieblingsfunktion Aero Snap. Die Möglichkeit, Fenster anzudocken, indem man sie an einen der Ränder zieht. Am Nützlichsten war die Funktion, zwei gleich große Fenster nebeneinander anzuordnen. In einem konnte zum Beispiel Word laufen, in einem anderen ein Video.

Aero Snap gibt es zwar immer noch im Desktop, aber nicht in Metro. Dort gibt es nur noch die Möglichkeit, ein schmales und ein breites Fenster nebeneinander zu legen. Nehmen wir das vorherige Beispiel mit YouTube und Word, abgesehen davon, dass es Word für Metro nicht gibt: Das schmale Fenster ist viel zu schmal für YouTube oder Word. Der einzige Nutzen des schmalen Fensters wäre für Messenger-Clients wie Skype oder Facebook.

Nur leider hat Skype seine App nicht so gemacht, dass sie im schmalen Fenster einwandfrei funktioniert, obwohl Skype jetzt Microsoft gehört. Das Chatten im schmalen Fenster funktioniert zwar, doch wehe, man möchte zwei Unterhaltungen gleichzeitig führen, denn die Kontaktauswahl, also das Hauptmenü von Skype gibt es nur im breiten Fenster. Man wird also dauernd hin- und hergerissen.

Desktop im schmalen Fenster ist auch nutzlos.
Desktop im schmalen Fenster ist auch nutzlos.

Von der fehlenden Proxy-Unterstützung in Metro möchte ich gar nicht erst reden. Das scheint ja mittlerweile Standard geworden zu sein. Microsoft hat einen leistungsstarken Computer zu einem Tablet degradiert, das nur zwei Apps parallel anzeigen kann und nicht einmal mit Proxies klar kommt. Es gibt zwar die Möglichkeit, den Proxy über die Kommandozeile (!) einzustellen, aber diese scheint nicht mit jedem Proxy zu funktionieren, nicht mit meinem zumindest.

Wem ein Windows 7+ reicht, der kann ruhig upgraden

Jetzt also die Schicksalsfrage: Lohnt sich ein Upgrade auf Windows 8? Es kommt darauf an. Wer auf Windows 8 upgradet, soll sich über ein Windows 7+ freuen können, denn der neue Desktop ist eine Verbesserung. Aber Metro würde ich meiden, es ist eine Katastrophe. Wem ein verbesserter Desktop, also ein Windows 7+ reicht, der kann ruhig upgraden. Dies lohnt sich insbesondere für Windows XP und Vista Nutzer, denn ein Upgrade für 30€ ist ein gutes Angebot.

Dabei empfehle ich eine Sicherung der Programme und Spiele (die Dateien werden aus Vista und XP übertragen). Aber zwei wichtige Anmerkungen muss ich noch machen: Wer mehrere Monitore besitzt, sollte von Windows 8 lieber die Finger lassen. Gleiches gilt für Laptops mit weniger als 2GB RAM, obwohl die Mindestvoraussetzungen bei einem Gigabyte liegen.

Windows 8 macht zukunftssicher

Es schadet nicht, dass Windows 8 einen zukunftssicher macht und Metro sicherlich noch verbessert wird. Man sollte Metro nicht als Windows 8 betrachten, sondern als Metro 1.0. iOS auf dem ersten iPhone war auch nicht perfekt, aber man sieht, was daraus geworden ist.

Bildnachweise: Windows 8 Design Handbook, The Verge, MSDN, Blogging Windows, EightForums

3 Gedanken zu “★ Metro ist unbenutzbar

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