★ BlackBerry hat geliefert

Bild: The Verge
Bild: The Verge

Viele fragen sich: Ist BlackBerry 10 zu spät? Sind die Zeiten von BlackBerry vorbei? Ich bin mutig und sage nein. Nein, BlackBerry 10 ist immer noch konkurrenzfähig und könnte BlackBerry wiederbeleben. Viele sagen: BlackBerry 10 ist wie jedes andere Betriebssystem – es hat kein Alleinstellungsmerkmal. Ich sage doch.

BlackBerry hat uns soeben ein neues Betriebssystem mit ungewohnter Navigation präsentiert. Natürlich hat es seine Schwachstellen: Die Idee der laufenden Apps als Home-Screen finde ich fragwürdig, das Design ist bestenfalls mittelmäßig und der Mix aus Benachrichtigungen und BlackBerry Hub mag verwirrend sein.

BlackBerry 10 ist nicht besser oder schlechter, als andere Betriebssysteme – es ist nur anders.

Wieso ist die untere Leiste nicht gleichmäßig verteilt?

Aber es hat auch seine Stärken: Die „Peek“-Geste finde ich sehr überzeugend. Man kann durch eine Fingergeste einen Blick auf die Nachrichten und E-Mails werfen, ohne die im Vordergrund laufende App zu beenden, wie es auf iOS der Fall ist. Der Verzicht auf einen Home-Button ist gut gelungen, wobei die untere Navigations-Bar oft sehr unterschiedlich designt ist (siehe Bild). BlackBerry 10 ist ein ungewohnter Mix aus neuen Navigationsprinzipien und vertrauten Elementen wie die App-Liste. Es ist anders.

Natürlich hat BlackBerry 10 seine Schwächen, welches Betriebssystem hat denn keine? Was bei iOS das begrenzte Multitasking ist, ist bei Android die Fragmentation und bei Windows Phone das fehlende Benachrichtigungs-Fenster. Bei BlackBerry 10 ist es der BlackBerry Hub.

Der BlackBerry Hub ist ein Sammelsurium für alle Feeds. Darunter fallen E-Mails, Twitter- und Facebook-Benachrichtigungen, SMS, BBMs, Anrufe und Chats. An sich eine gute Idee, allerdings fällt das ungleichmäßige Design auf. Wenn man auf eine Twitter-Erwähnung klickt, wird eine Art pseudo-Website geladen und BBMs haben im Hub nervige Zeichen für „Gesendet“ und „Gelesen“. Völlig unverständlich ist, wieso BlackBerry nicht auch die Twitter-Timeline bzw. den Facebook-Feed integriert hat, wie Windows Phone es im People Hub tut. Stattdessen muss man dafür in die jeweiligen Apps wechseln. Der BlackBerry Hub ist ein Versuch, verschiedene soziale Netzwerke zu vereinen, der zwar funktionsfähig, aber verwirrend ist.

Keine Alleinstellungsmerkmale? Nein, falsche Erwartungshaltung.

Aber wer behauptet, BlackBerry hätte keine Alleinstellungsmerkmale für BB10 geliefert, der geht mit einer völlig falschen Erwartungshaltung heran. Schließlich hat Windows Phone auch genau zwei Dinge, die für sich sprechen: Live Tiles und modernes, buntes Design. BlackBerry kann damit mindestens genauso gut mithalten. Es hat einen mächtigen (aber teilweise mangelhaften) BlackBerry Hub, BlackBerry Messenger mit Video-Anrufen und Screen-Share (siehe Video unten) und mit BlackBerry Remember eine Art virtuelle Aktentasche, die mit Evernote synchronisiert. Hinzu kommt die beeindruckende Kamera-Software, die es erlaubt, einzelne Teile eines Bildes gegen andere auszutauschen, um somit alle Personen auf einmal zum Lächeln zu bringen. Außerdem ist mit Story Maker eine Art iMovie für BlackBerry an Bord. Hinzu kommt eine mächtige Tastatur mit starker Auto-Vervollständigung und Wort-Vorhersage, ähnlich wie SwiftKey. Ich finde, das sind genug Alleinstellungsmerkmale. Mehr habe ich nicht von BlackBerry erwartet. Was hätten sie denn sonst noch tun sollen?

Drittanbieter-Apps sind eine ganz andere Sache. Mit den „großen“ Entwicklern hat BlackBerry gut kooperiert und die wichtigsten Apps auf die neue Plattform gebracht. BlackBerry nennt bis zu 1000 „Top-Apps“. Darunter fallen sowohl soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, als auch Nachrichten-Apps wie die New York Times, USA Today und Bloomberg. Hinzu kommen Produktivitäts-Apps wie Skype und SAP und bekannte Spiele wie Angry Birds Star Wars, Where’s my Water?, N.O.V.A. und Real Racing 3. Hier hat BlackBerry eine echt gute App-Auswahl zustande gebracht und Windows Phone den Kampf angesagt.

Allerdings gibt es noch die 74.000 anderen Apps, die meisten sind schlecht programmiert oder waren für das PlayBook-Tablet optimiert. Bei einigen „Recommendations“ in der App World stellte sich teilweise heraus, dass die Apps nutzlos sind und gravierende Rechtschreibfehler besaßen. Einige waren definitiv nicht ausgereift und besaßen sich überlappende Tasten – definitiv nicht akzeptabel. Diese Anzeichen sind aber auch für Windows Phone und andere kleinere Ökosysteme typisch.

Mit BlackBerry 10 ist alles da, was zu erwarten war – neue Navigation, fantastische Tastatur, innovative Funktionen wie Screen Share und einige große Apps. Mit Android oder iOS kann BB10 in Sachen Apps und Design zwar nicht unbedingt mithalten, aber mit Windows Phone allemal.

Jetzt braucht BlackBerry nur noch ein Killer-Smartphone und Strike, richtig?

Nur leider ist das BlackBerry Z10 nur ein „normales“ Smartphone mit klassischem Design und Standard-Ausstattung mit einem 1,5 GHz dual-core Prozessor und 2 GB RAM. Hinzu kommt ein 4,2″-Display mit 1280*768-Auflösung. Alles gut, aber es fehlt etwas ins Auge Springendes: Keine bunten Farben bei Windows Phone, keine PureView-Kamera, kein Handschuh-tauglicher Touchscreen und keine wirkliche Siri-Konkurrenz. Nur ein klassischer Block in Schwarz und Weiß. Aber leider fällt das Z10 in einigen Aspekten flach: Sehr beunruhigend sind die ersten Berichte über schlechte Akkulaufzeit, mittelmäßige Kameras und lange Bootzeiten.

BlackBerry hat einen guten Start hingelegt, aber es gibt durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die Frage, die sich am Ende des Tages stellt, ist nicht, ob es genug Gründe gibt, von Android oder iOS auf BlackBerry umzusteigen, sondern ob diese Gründe die Nachteile von BlackBerry 10, insbesondere die begrenzte App-Auswahl, überwiegen.

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