Unser Juni – Letzte Worte

Bild: Morio @ Wikimedia Commons
Bild: Morio @ Wikimedia Commons

Endlich mal ein Monat, wo es etwas zu berichten gibt. Ich wurde nämlich gefeuert. Beziehungsweise mir wurde “nahegelegt, freiwillig ‘Unser Monat’ abzugeben”, da es wenig Sinn machen würde, eine Kolumne über das LGH zu schreiben, ohne selbst am LGH zu sein. So die offizielle Begründung.

Inoffiziell geht es natürlich darum, dass bei dieser Kolumne die Gefahr besteht, dass sie das magische Kritik-Limit von einem Promille überschreitet. Auch in der dreijährigen Geschichte sei dies bereits geschehen, meint die Schulleitung. Sollte ich die Kolumne nicht abgeben wollen, müsste ich mich einer monatlichen “Qualitätskontrolle” unterziehen. Bei einer solchen Qualitätskontrolle wird das Manuskript durch einen Schredder in seine Einzelteile zerlegt und akribisch untersucht.

Nachdem ich diese Nachricht mit Entsetzen erhalten habe, informierte ich die Farbfleck-Chefredaktion über den Rauswurf. Doch es stellte sich heraus, dass sie nicht einmal über diesen Vorgang informiert wurde.

based on a true storyLiebe Leute, das ist natürlich nicht wirklich passiert. Allerdings wäre ich auch nicht verrückt genug, eine solche Geschichte frei zu erfinden. Daher habe ich mich ein bisschen vom tatsächlichen Geschehen inspirieren lassen. Alle Parallelen in der neuen Rubrik Based On A True Story sind voll beabsichtigt:

zero dark thirtyDiesen Monat in BOATS: Die größte Hetzjagd aller Zeiten. Das neueste Zielobjekt der Internatsleitung sind die Abiturienten. Es werden ständig neue Taktiken im Mediations-Kurs entwickelt, um störende Abiturienten nach dem schriftlichen Abitur vom Campus zu vertreiben. Dieses Jahr war die eingesetzte Methode so erfolgreich, dass in Einzelfällen die Schüler bereits vor dem Abitur vergrault wurden.

Auserwählte Zwölftklässler wurden freundlich darauf hingewiesen, dass sie am LGH unerwünscht sind und dass sie, wenn sie freiwillig abhauen, vom Unterricht befreit werden. Falls nicht, müssten sie sich täglichen Alkoholkontrollen unterziehen, die nebenbei auch gegen die Campusordnung sind. Dort sind nämlich nur Kontrollen auf begründeten Verdacht erlaubt.

Die Zahl der Eimerpartys in WG Fischer konnten durch diese Methoden auf zwei reduziert werden. Kaum zu glauben, aber wahr: Von einigen Abtreibungsversuchen der Internatsmentoren wusste nicht einmal die Schulleitung.

Abgehakt – die Kurzmeldungen des Monats: Neunte Klassen auf Kanutour: Herr Sauer eine Woche ohne Anzug. Unvorstellbar, aber wahr. +++ DLR-Praktikum: Einige phänomenale Raketen sind entstanden. +++ Theateraufführung von Literatur und Theater. Eine vielleicht zu moderne Adaption von Shakespeares “Der Sturm”, in der sogar Facebook erwähnt wurde. +++ Unterstufe auf einer freiwilligen und selbst organisierten Europapark-Exkursion an einem Internatssonntag. +++ Externenraum nun wegen “Vandalismus” gesperrt. Die Auslastung des Technikraumes hat sich sprunghaft erhöht. +++ Spanier und Ukrainer am LGH. “Die dürfen immer ausschlafen, wie unfair!” +++ Oststadtfest im Unipark. Immer noch so trist wie eh und je.

breaking news

Wir unterbrechen das laufende Programm für eine Eilmeldung: Zuverlässigen CNN-Informationen zufolge befindet sich das Jahrbuch des letzten Jahres im Druck und soll Anfang Juli am LGH ankommen! Das wäre der große Durchbruch, auf den wir alle gewartet haben. Das Jahrbuch befindet sich seit November letzten Jahres bei der Druckerei, doch aufgrund einer Reihe von Layoutmängeln wurde der Druck verweigert. Jetzt fehlt nur noch, dass man die Lichter nicht ausschalten kann und täglich ein Praktikant zur „Belüftung“ die Jahrbücher durchblättern muss, dann haben wir unser BER-Spektakel.

BER Brandschutz FlughafenDenn in einem spektakulären Schachzug wurde bekannt, dass nach Hartmut Mehdorn, welcher von Air Berlin zum BER wechselte, Pascal Winterhalter, bisheriger Jahrbuch-Redakteur zum Farbfleck wechselt. Sein Kommentar zum Jahrbuch: „Hoffen wir, dass es nicht ganz so fatal wird wie das Letzte.“ Er wird sich nun für einen Weiterbetrieb des bisherigen Jahrbuch-Ersatzes, einer Kombination aus „Unser Monat“ und der diesmal überpünktlichen Abizeitung, einsetzen. Für das Jahrbuch erhofft er sich eine Teileröffnung Ende 2015.

abitur 2013

Aber nun schnell wieder zurück zu den Abiturienten. Trotz allem haben alle ihr Abitur bestanden, und zwar mit dem schlechtesten Schnitt aller Zeiten (ca. 1,79). Auch eine 1,0 haben wir mit Ach und Krach doch noch produziert. Um uns aufzumuntern, wird immer noch dazu gesagt, dass wir das “beste mündliche Abitur” des LGHs hatten, so dass ich das auch hier nicht vergessen möchte.

Doch das Beste kommt zum Schluss: Am Donnerstag “überraschte” die zwölfte Klasse das LGH und wandelte einen Vortragsabend kurzerhand zum besten Schulabend des Jahres um. Mit Beiträgen wie “Norman” von Sido/Skinny, den drei Chinesen mit dem Kontrabass und dem Internatsleiter Matze Metzler ging dieser Abend in die LGH-Geschichte ein, unter anderem auch als am schlechtesten gehütetes Geheimnis aller Zeiten. Einige auserwählte Beiträge sind noch auf dem GEMAbitur-Tumblr verfügbar (Untertitel: Dieses Motto ist an Ihrer Schule nicht verfügbar).

SONY DSCWeiter ging es am Freitagmorgen nach einer kleinen Weckaktion mit dem (weitestgehend kurzfristig geplanten) Abischerz. Das Einzige, was so richtig geplant war, war das LGHoli-Fest, von dem einige legendäre Bilder von bunten LGHlern entstanden sind. Dennoch erfreuten auch der LGH-Reifetest und die Tomaten-Steinigung die LGH-Familie. Abgesehen von denen, die gesteinigt wurden, natürlich. Aber die sind auch selbst schuld, wenn sie einen verpflichtenden Vortragsabend schwänzen.

abiball bandSchließlich fand am Samstag noch die Abifeier und der Abiball statt. Im Gegensatz zum letzten Jahr kann der Abiturjahrgang 2013 auf einen gelungenen Abschied zurückblicken, der auch fotografisch verewigt wurde. Zudem traute sich so mancher, der zuvor aus dem Internat geworfen wurde, wieder zurück nach Schwäbisch Gmünd, um diesen Abend mit uns allen zu verbringen.

It’s the end of the world as we know it. 
It’s the end of the world as we know it. 
It’s the end of the world as we know it, 
And I feel fine.

Bild: Tind (Flickr)
Bild: Tind (Flickr)

Damit kommen wir nun auch zum Ende meiner kleinen Farbfleck-Karriere. Ich muss sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat, für Euch alle zu schreiben. Wie ich bereits am Schulabend angekündigt habe, werde ich der Bitte der Schulleitung folgen und nicht von Karlsruhe aus über das LGH berichten. Auch das Spin-off “Unser Monat China Edition” wird es nicht geben.

Stattdessen werden nächstes Schuljahr meine Nachfolger Lukas, Corinna und Pascal die Feder übernehmen. Wenn man den Stoff nämlich auf drei Personen aufteilt, kommt man schwerer an die Ein-Promille-Grenze ran. Ganz analog zum Alkohol.

Damit steht es wohl fest: Alkohol ist mein letztes Wort. Wer hätte das gedacht.

Diese Kolumne entstand in Zusammenarbeit mit „derfarbfleck„, dem Schülermagazin des LGH.

Zum Weiterlesen: Die komplette Unser-Monat-Kolumne

Neu: Antihans auf Medium

2 Gedanken zu “Unser Juni – Letzte Worte

  1. „Von einigen *Abtreibungsversuchen* der Internatsmentoren wusste nicht einmal die Schulleitung.“ Großartig! ;)
    Eine tolle Erfahrung, mit der pingeligsten Druckerei Osteuropas zusammenzuarbeiten. Die Abizeitung war ja wohl wenigstens überpünktlich da :P Ungarn gewinnt gegen Litauen ;)

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