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ADAC Postbus – Qualitätsbus vor dem Aus

Das haben ADAC und Deutsche Post sicher nicht erwartet, als sie das ambitionierte Projekt „ADAC Postbus“ ins Leben gerufen haben: Die knallgelben Busse, die sich als Qualitätsanbieter auf dem Fernbusmarkt positionieren wollen, kommen einfach nicht vom Fleck. Die Auslastung ist gering, es wird von über 30.000 Euro Verlust pro Tag gesprochen.

Nun wurde die Route Dresden-Leipzig eingestellt, das Angebot auf der Fernbus-Rennstrecke Hamburg – Berlin von acht auf sechs tägliche Fahrten reduziert. Geht es nach einem Bericht von „ÖPNV aktuell„,  könnte das Projekt ADAC Postbus nach der „Pilotphase“ bis Juli ganz eingestellt werden.

Dass dieses Jahr im Fernbusmarkt erste Zusammenschlüsse und Ausstiege geschehen werden, sagten Wirtschaftswissenschaftler bereits voraus, aber dass es ausgerechnet die zwei Riesen ADAC und Post treffen könnte, das finde ich schon schade.

ADAC Postbus HeaderMeiner Meinung nach ist ADAC Postbus nämlich der zurzeit beste Fernbusanbieter. Mich überzeugte insbesondere die einheitliche Flotte von neuen Bussen, sodass man immer weiß, was einem im Bus erwartet. Im Gegensatz zu MeinFernbus oder FlixBus ist der Sitzabstand überall gleich, die Hecktoilette ist immer gleich groß und das WLAN immer gleich stabil.

MeinFernbus verlautete mir gegenüber, dass alle neuen Busse mit einem LTE-Modem und einem Media Center, mit dem man kostenlos Filme anschauen kann, ausgestattet sind. Die bestehende Flotte soll hingegen „nach und nach“ nachgerüstet werden. So kann es sein, dass man überraschend in einem MeinFernbus mit 50 Mitfahrern sitzt, das WLAN-Netzwerk aber nur 8 gleichzeitige Endgeräte unterstützt.

FlixBus hingegen hat noch gar keinen Media Center und Hinweise auf den anfangs angepriesenen Sitzabstand von 83 cm (mehr bietet kein anderer Fernbus), wurden mittlerweile vollständig von der Website entfernt und durch „extra viel Beinfreiheit“ ersetzt. Negativ aufgefallen ist mir auch die große Preisspanne. Bei FlixBus gibt es die meisten Preisstufen, also auch die billigsten Tickets. Allerdings sind diese deutlich schneller vergriffen und die Preise steigen schnell auf das übliche Niveau an. Lässt sich zwar gut vermarkten, aber ich bin kein Fan dieser Preisgestaltung.

flixbus 1 euro

Bei ADAC Postbus ist sowohl der LTE-Anschluss als auch der Media Center Standard in allen Bussen – und im Gegensatz zu meiner Erfahrung mit MeinFernbus funktionierte das WLAN im gut gefüllten Postbus reibungslos. Ein Speedtest ergab eine Download-Geschwindigkeit von 3 Mbit/s.

Außerdem war ich sehr glücklich über den stets freien Nebensitz bei ADAC Postbus, bedingt durch die relativ geringe Auslastung. In einer perfekten Welt wären die gelben Postbusse natürlich voll, aber zur Zeit ist die oftmals geringe Auslastung ein angenehmer Nebeneffekt, der den Reisekomfort doch schon ziemlich erhöht.

Pluspunkte bekommt ADAC Postbus außerdem bei der für ADAC-Mitglieder kostenlosen Sitzplatzreservierung und den Abholschein für das Gepäck. So kann man sich gezielt vorne beim Fahrer oder hinten in der Dreierreihe mit fest eingebautem Tisch, die besonders geeignet für Familien ist, einen Platz sichern. Außerdem kann man beruhigt sein, dass kein Fremder das Gepäck mitnimmt.

Für diese zusätzliche Qualität verlangt ADAC Postbus generell auch ein paar Euro mehr, was eben auch Schuld am wirtschaftlichen Scheitern des Unternehmens ist. Folgende Stichprobe für die Strecke Karlsruhe – Hannover zeigt das Dilemma des Postbusses:

Stichprobe Fernbus

Mit den Kampfpreisen von FlixBus und MeinFernbus kann und will ADAC Postbus gar nicht mithalten, gleichzeitig verliert man aber die Premium-Kundschaft an die Deutsche Bahn, die mit deutlich kürzeren Fahrzeiten punkten kann. Das neu eingeführte Bahn-Spezial gibt es nämlich auch bei LTUR als „Fernweh-Ticket“ für nur 26 Euro.

Als „Geheimtipp“ gilt aber der häufig verfügbare Rabattcode von ADAC Postbus, der zwischen 15 und 25 Prozent Rabatt auf den Preis gibt und somit oft auch die billigsten Tickets der Konkurrenz untertrifft. Den aktuellen Gutscheincode findet man hier.

Die Nachteile von ADAC Postbus sehe ich in der fehlenden Fahrgastinformation (keine Verspätungs-SMS), den hohen Kosten für Umbuchung (5€) & Stornierung (10€) und im leider oft defekten Media Center. Zusätzlich ist das Liniennetz im Vergleich zur Konkurrenz sehr klein, dementsprechend ist der Postbus auf manchen langen Routen auch bis zu zwei Stunden langsamer, da er mehr Halte bedient und Express-Verbindungen fehlen. Wäre der Postbus erfolgreicher – ich würde es ihm wünschen – würde all dies überhaupt kein Problem sein.

ADAC Postbus EndeDie Mittelstrecke (Fahrzeit 2-4 Stunden, Ticketpreis 8-16 Euro) ist der größte Markt des Fernbusses, sonst kommt man gegen das Fernweh-Ticket der Bahn nicht an. Auf diesen Strecken fahre ich ausgesprochen gerne Fernbus, und bevorzugt ADAC Postbus. Ich werde die hübschen leeren Busse genießen, bevor sie vom Markt verschwinden.

 

2 Gedanken zu “ADAC Postbus – Qualitätsbus vor dem Aus

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