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Deutsche Medien fallen scheinbar auf Postillon-Satire rein

Der 2. Januar 2014 wird in die deutsche Mediengeschichte als der Tag eingehen, an dem entweder die deutschen Medien komplett auf einen Artikel des beliebten Satire-Blogs Der Postillon reingefallen sind, oder an dem alle auf den Postillon reingefallen sind.

Der Postillon veröffentlichte am 1. Januar folgenden Artikel:

Exklusiv: Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla wechselt in den Vorstand der Deutschen Bahn

Während sich Medien wie DER SPIEGEL, das Handelsblatt, die Sueddeutsche und die Tagesschau auf einen Artikel in der Saarbrücker Zeitung, welcher allerdings erst morgen (3. Januar) gedruckt werden soll, berufen.

Zusätzlich sichern sie sich dadurch ab, dass die Nachrichtenagenturen REUTERS und dpa über diesen Wechsel Pofallas berichten. Allerdings bezieht sich REUTERS ebenfalls auf den noch-zu-veröffentlichenden Bericht der Saarbrücker Zeitung: „Die Saarbrücker Zeitung (Freitagausgabe) hatte berichtet…“. Noch kurioser ist es, dass sich die Saarbrücker Zeitung selbst auf dpa-Berichte beruft.

Wenn Pofalla tatsächlich zur DB wechseln sollte, dann Hut ab an den Postillon. Wenn nicht, dann auch.

Update: Der Postillon wurde nun von der Spiegel-Online-Redaktion kontaktiert: „Könnten Sie mich bitte einmal […] zurückrufen. Es geht um Ihre Pofalla-Meldung von gestern.“ (Quelle)

Update 2: Die Wahrscheinlichkeit, dass dies eine wahre Meldung ist, sinkt weiter dem absoluten Nullpunkt entgegen. Da die Postillon-Zeile „Ein Vorstandsposten bei der Bahn wird mit 1,3 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr vergütet.“ in nahezu jedem Medienbericht auftaucht, ist es so gut wie sicher, dass der Postillon die Quelle dieses Berichts ist. Aus aktuellem Anlass noch ein XKCD-Comic.

Update 3: Es stellt sich heraus, dass der Postillon an seinen Timestamps herumgespielt hat, da der Twitter-Feed eine andere Geschichte erzählt. So wurde der Artikel über Pofalla erst am 2. Januar um 18:45 veröffentlicht, also nach den anderen Medien. Well played.